Großsegel kaufen – Segelmacherei Moritz Sailmakers

Es gibt eine alte Regel unter Regattaseglern, die zwar banal klingt, aber den Sachverhalt auf den Punkt bringt: “Ohne Groß nichts los”. Diese Erkenntnis gilt zumindest für alle Kurse höher als halber Wind, denn dann wirkt ein Großsegel in erster Linie durch die Anströmung seines Profils, und erst in zweiter Linie als Fläche die der Wind vor sich her schiebt.

Ein optimal profiliertes und gut getrimmtes Großsegel hat, mehr als jedes andere Segel an Bord, direkten Einfluss auf das Steuerverhalten, sowie die Segeleigenschaften und ist damit entscheidend für das Geschwindigkeitspotential Ihrer Yacht.

Das Großsegel ist dabei das Allround-Arbeitssegel an Bord, denn während die Vorsegel, entsprechend den sich ändernden Wetterverhältnissen ausgewechselt werden, bleibt das Großsegel von Flaute bis Sturm immer angeschlagen. Es soll dabei bei jeder Windstärke und auf allen Kursen zum Wind einen möglichst optimalen Vortrieb bringen.

Bei Moritz-Sailmakers erhalten Sie deshalb immer ein maß-gefertigtes Großsegel, welches unter voller Ausnutzung der vorgegebenen Mast- und Baumlänge sowie einer möglichst effizienten Profilierung für Ihren Schiffstyp und Ihr Segelrevier optimiert wurde. Bei der Auswahl der richtigen Kombination aus Design und Material für Ihren Einsatzzweck, können Sie sich dabei ganz auf unser fundiertes Fachwissen, sowie unsere langjährige Erfahrung verlassen.

Bevor wir Ihnen nachfolgend einmal erläutern möchten, wie Ihr neues Moritz-Großsegel entsteht, und worauf Sie beim Kauf eines neuen Großsegels achten sollten, zunächst ein paar grundsätzliche Bemerkungen zu dem viel diskutierten Thema der Segelschnitte.

Die verschiedenen Segelschnitte im Blick

Horizonalschnitt/Cross-Cut

Der meistgefahrene und bewährteste Segelschnitt ist der Horizontalschnitt. Hier laufen die Nähte rechtwinklig zur Sehne des Achterlieks. Er ist immer noch am preiswertesten in der Herstellung, robust in der Handhabung, und im allgemeinen auch am langlebigsten.

Der Nachteil eines etwas höheren Gesamtgewichtes (gegenüber einem radialem Segel mit abgestuften Tuchgewichten) ergibt sich aus der Tatsache, dass nur eine durchgehende Tuchstärke vom Achterliek bis zum Vorliek verarbeitet werden kann.

Für Starkwind und Sturmsegel ist der Horizontalschnitt prinzipiell empfehlenswert, weil es bei diesen Segeln weniger auf Gewichtsreduzierung ankommt, als primär auf Langlebigkeit und Robustheit.

Bi-Radialschnitt

Beim Bi-Radialschnitt handelt es sich um einen lastorientierten Segelschnitt, bei dem die Nähte im Verlauf der Kraftrichtung im Segel ausgerichtet und dadurch nicht mehr durch Scherkräfte belastet werden.

Die strahlenförmigen Bahnen laufen vom Schothorn und vom Segelkopf zur Segelmitte. Dieses sind die Punkte des Segels, die die größten Belastungen aufnehmen müssen.

Radial geschnittene Segel sollten immer aus Sandwichmaterial, bzw. aus speziellen für diesen Einsatzzweck konstruierten Tuchen gefertigt werden. Durch den Einsatz dieser hochwertigen Materialien können die Segel formstabiler und leichter, sowie besser trimmbar hergestellt werden.

Ein weiterer Vorteil radialer Segelschnitte besteht darin, verschiedene Materialien und Tuchgewichte zu mixen. Im hochbelasteten Achterliek- und Unterliekbereich können hierbei festere bzw. schwerere Tuche eingesetzt werden.

Diese Abstufungen von leichten Tuchen im Vorliekbereich zu schwererem Tuch im Achterliek- und Unterliekbereich bewirken, dass sich das Segelprofil besser entfalten kann.

Tri-Radialschnitt

Der Tri-Radialschnitt ist eine Variante des Bi-Radialschnitts mit einer zusätzlichen radialen Sektion aus dem Segelhals. Sie trifft auf die Mittel- und die Schotsektion.

Der Tri-Radialschnitt ist eine Erweiterung des Bi-Radialschnitts, bei welcher die Bahnausrichtung nach den Kraftlinienverlauf optimal erfolgen kann. Für Segel mit niedrigem Streckungsverhältnis (also relativ langem Unterliek in Relation zum Vorliek) bietet der Tri-Radialschnitt oft die optimale Lösungsmöglichkeit.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass ein radial geschnittenes Segel bei gleicher Festigkeit, aufgrund der verwendeten Materialien, in der Regel wesentlich leichter ausfallen kann, was sich positiv auf die Trimmbarkeit auswirkt.

Tuchauswahl

Die Charakteristik Ihres Großsegels wird ganz entscheidend durch die richtige Tuchauswahl bestimmt. Das Segel sollte bei wenig Wind nicht zu schwer sein, muss aber auch für Starkwind ausreichend dimensioniert sein. Ferner sollte es unter allen Bedingungen gut trimmbar bleiben.

Deshalb ist es für das Verständnis moderner Segel und Segeltechnik hilfreich, sich mit der Konstruktion und Herstellung von Segeltuchen und Laminaten zu beschäftigen:

Von einem Segeltuch spricht man, wenn das Tuch auf einem Webstuhl gewebt wird. Da sich die Fasern unter Belastung aber strecken, dehnt sich das Tuch. Die Fasern des Laminats sind dagegen fast gar nicht gecrimpt, sondern glatt gelegt.

Die Reckwerte sind dadurch wesentlich geringer als bei gewebten Segeltuchen gleicher Stärke. Durch die Verwendung von modernen Fasern, wie z.B. Pentex®, Kevlar®, Spectra® oder Dyneema® für das Laminatgitter, können die Segel wesentlich leichter als mit entsprechendem gewebten Tuch hergestellt werden.

Grundlagen zur Beurteilung von Tuch bzw. Laminat sind: Tuchgeometrie, Tuchfestigkeit und Tuchgewicht.

Tuchgeometrie

Um die Reckwerte eines Tuches bzw. Laminates und damit seine Eigenschaften zu ermitteln, wird mit einer genau definierten Kraft das Tuch in Richtung Kette (0 Grad), Richtung Schuß (90 Grad) und in Diagonalrichtung (45 Grad) belastet und die Dehnung bzw. der Reck gemessen.

Tuchfestigkeit

Es gibt zwei Arten von Festigkeit, mit denen der Segelmacher zu tun hat. Die erste ist die Bruchfestigkeit. Sie hat beim Raumschotsegeln eine große Bedeutung. Die zweite Art ist die Dehnfestigkeit. Sie wird offensichtlich bei der kritischen Last bzw. Spannung, bei der die rückbildbare, elastische Dehnung (Längung) in die nicht rückbildbare, bleibende Dehnung übergeht. Dieser Punkt heißt Fließgrenze. Die Dehnfestigkeit bestimmt somit, wie stark ein Segel äußerstenfalls belastet werden darf, ohne bleibende Verformungen zu erleiden.

Tuchgewicht

Es wäre sehr einfach, ein Segeltuch bzw. Laminat größter Festigkeit und geringster Dehnbarkeit herzustellen, wenn das Gewicht keine Rolle spielen würde. Das Gewicht ist aber ein wichtiger Faktor:

  • Händigkeit: Leichte Segel sind einfacher zu setzten, zu bergen und zu stauen als schwere.
  • Für einen günstigen Schwerpunkt sollte das Gewicht im Masttop so gering wie möglich sein. Eine Reduzierung von Gewicht im oberen Bereich des Mastes verringert das Krängungsmoment und das Stampfen des Bootes. Die Eigenart von Toplastigkeit kann man selbst einmal zu spüren bekommen, wenn man im Top eines Mastes Arbeiten durchführt und dabei das Boot bereits Schlingerbewegungen macht.
  • Das Tuchgewicht hat einen großen Einfluß auf die Segelform. Bei leichtem Wind kann die Form eines schweren Segels leiden, weil es unter seinem eigenen Gewicht zusammensackt.

Die zur Auswahl stehenden Segeltuche haben alle ihre eigene Charakteristik und sind nicht für jeden Einsatzzweck gleich gut geeignet.

Traditionelle Horizontal-Schnitt

Für den traditionellen Horizontal-Schnitt, aus dem auch heute noch die meisten Segel gefertigt werden, verwenden wir Dacrontuche mit verstärktem Schußfaden, da hier das Achterliek besonders starke Zugkräfte aufnehmen muss.

Es ist dabei wichtig, das Verhältnis von Vorliek zu Unterliek des herzustellenden Segels genau zu kennen. Ohne dieses Verhältnis zu wissen, ist es schwierig, das richtige Segeltuch auszuwählen.

Man unterscheidet zwischen sogenannten Strong-Fill Tuchen für High-Aspect Segel (welche ein kurzes Unterliek im Verhältnis zu einem langen Vorliek aufweisen) und All-Purpose Tuche für Low-Aspect Segel (also langes Unterliek im Verhältnis zum Vorliek).

All-Purpose Tuche

Die All-Purpose Tuche sind schußorientiert, aber nicht so extrem wie Strong-Fill Tuche. Sowohl Strong-Fill als auch All-Purpose Tuche gibt es mehr oder weniger stark geharzt. Das stark geharzte Dacrontuch ist bei gleicher Profilierung etwas vortriebsstärker, als ein weiches, griffigeres Dacrontuch gleicher Stärke und Konstruktion.

Diese etwas höhere Formbeständigkeit wird aber durch etwas schnelleren Verschleiß erkauft.
Speziell für Club-Racing-Yachten bei denen das bisherige Polyestertuch nicht ausreichte, und ein Laminat nicht gewünscht wird, produziert die Firma Dimension-Polyant nach einem patentierten Verfahren eine Kombination aus hochfestem Polyester mit gleichzeitig eingewebter Vernetzung aus Dyneema® unter der Markenbezeichnung Hydra-Net®.

Dieses Kombinationstuch zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:

  • Hohe Belastbarkeit ohne Zunahme des Gewichts
  • Lang anhaltende Formstabilität des Segels
  • Geringe Knickempfindlichkeit, dadurch:
  • Geringer Staubedarf
  • Lange Haltbarkeit

Für die Lastlinien orientierten Segelschnitte, also Bi-Radial und Tri-Radialschnitt, bieten sich die sogenannten Sandwichtücher an. Diese Laminate zeichnen sich durch ein gutes Gewichts-Leistungsverhältnis – verbunden mit guten Leichtwindeigenschaften bei leichter Handhabung – aus.

Für den ambitionierten Club-Racer hat der Hersteller Dimension Polyant deshalb die DC-Cruising Laminate entwickelt. Es handelt sich dabei um ein dehnungsarmes und sehr haltbares Tuch, das auch in Rollreff-Anlagen verwendbar ist. Dieses anspruchsvolle Polyester-Laminat wird in der Art hergestellt, in dem ein in zwei Folien eingefaßtes Gittergewebe auf beiden Seiten mit einem Taftgewebe verbunden wird.

Die verwendeten Gittergewebe zeichnen sich durch besonders gute Kett-Dehnungswerte und eine hohe Reißfestigkeit aus. Die Taftgewebe die den Film bedecken, sind robust und wurden zusätzlich mit einem UV-Finish beschichtet, das, neben einem um ca. 30% verbesserten Widerstand gegen schädliche UV-Strahlung auch die Gefahr von Stockfleckenbildung erheblich reduziert.

Eigenschaften von DC-Cruising Laminaten:

  • Sehr geringe Dehnung
  • High Tech Optik
  • Sehr hohe Diagonalstabilität
  • UV stabilisiert
  • leichtes Segel durch abgestuftes Tuchgewicht

Nun ist es jedoch nicht so, dass das technisch hochwertigste Segeltuch auch immer und für jeden Einsatzbereich die beste Lösung darstellt. Während ein Regattasegler mehr zu einem Laminattuch oder einem harten, leistungsmäßig hochwertigen Dacrontuch tendieren dürfte, kommt für einen Langfahrtensegler nur ein weiches, langlebiges Segeltuch in Frage. Letzten Endes bestimmt der Einsatzzweck, und Ihre Ambitionen die Tuchauswahl und den Segelschnitt.

Um die Qualität unserer Segel zu garantieren, verarbeiten wir ausschließlich getestete Markentuche namhafter Hersteller wie Dimension-Polyant und Contender, um Ihnen ein optimales Verhältnis zwischen Qualität, Leistung und Preis bieten zu können.

Segeldesign

Nachdem Tuch- und Segelschnitt festgelegt wurden, entsteht das Segeldesign Ihres Großsegels im Rechner. Durch modernste Technologien wie CAD (Computer Aided Design) und CAM (Computer Aided Manufacturing) werden die Segel designed und millimetergenau zugeschnitten.

Als erstes wird der dreidimensionale Umfang unter voller Ausnutzung der vorgegebenen Mast- und Baumlänge festgelegt. Als zweites erfolgt die Berechnung der Profilform. Dafür verfügen wir über ausgefeilte Computerprogramme, mit deren Hilfe wir ein optimales Profil auf jede Segelgröße und Proportion umrechnen können.

Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung sind wir in der Lage, schiffs- und reviergegebene Eigenarten, sowie jene aerodynamischen Gesetzmäßigkeiten, denen ein Profil bei solchen Veränderungen unterliegt, zu berechnen.

Im Rechner ändern wir die Mastbiegung für jeden vorstellbaren Trimm. Schnitt-, Last- und Tuchdaten werden dann mit den Eigenarten Ihres Reviers, sowie mit den Eigenschaften Ihrer Yacht abgeglichen und in ein individuell optimiertes Profil umgesetzt. Nach der Berechnung des Profils erfolgt die Projezierung der Tuchbahnen auf das Profil.

Das von unserem Computer errechnete Profil können wir dabei in jeder beliebigen Bahnanordnung ausplotten lassen. Dabei hat jede Anordnung, die vom klassischen Horizontalschnitt abweicht, nur den Zweck, das Segel in den weniger belasteten Partien leichter zu machen, ohne gleichzeitig Einbußen bei der Formstabilität hinnehmen zu müssen.

In jedem Fall gilt: je größer das Segel, desto wichtiger ist die Gewichtsersparnis. Dies zu erreichen, bedeutet zwar eine aufwendigere Konstruktion – das Ergebnis ist aber ein erheblich leichteres Segel, das äußerst formstabil und bereits bei wenig Wind sehr gut trimmbar ist.

Einzige Einschränkung: Foliensegel sind wegen ihrer Materialempfindlichkeit nicht für den Dauergebrauch zu empfehlen.

Fertigung

Nachdem die Bahnen exakt nach Maß ausgeplottet wurden, werden Sie mit der gleichen Sorgfalt perfekt zusammengenäht. Ein wichtiger Faktor für die Qualität Ihres Segels ist dabei das verwendete Garn. Wir verwenden nur hochwertiges, see-wasserbeständiges und UV-stabiles “Da Bond®” Nähgarn, das sich durch hohe Riß- und Abriebfestigkeit auszeichnet.

Nach Abschluß der Näharbeiten erfolgt die fachgerechte, handwerkliche Fertigstellung des Großsegels. Dabei sind es oft die kleinen Details, an denen sich die große praktische Erfahrung von Moritz-Segel ablesen lässt und die für die lange Lebensdauer und das gute Handling Ihres Großsegels von entscheidender Bedeutung sind. So haben z.B. alle unsere Segel exakt aufeinander abgestimmte, großflächig dimensionierte Dopplungen.

Im Achterlieksaum verarbeiten wir einen Nahtschutz, damit die Regulierleine keine Naht von innen aufscheuern kann. Selbstverständlich ist unsere Achterliek-Regulierleine auch im Reffbereich mit einer Klemme versehen, damit sie auch bedient werden kann, wenn das Segel gerefft ist.

Ganz besondere Aufmerksamkeit widmen wir Konstruktion und Ausführung der Lattentaschen, da sie einen wichtigen Punkt für die Langlebigkeit Ihres Großsegels darstellen.

Anschließend wird das Segel (abgestimmt auf die Ausführungsvariante für die Sie sich entschieden haben) mit den Beschlägen und der Ausstattung wie Mastrutscher, Cunninghamkausch, Segellatten, Trimmstreifen, Windbändsel usw. komplettiert.

Unabhängig davon, für welche Variante Sie sich auch entschieden haben, ob Basic-, Classic- oder Delta-Line, Sie haben immer die Gewähr, dass jedes Moritz-Segel mit der gleichen großen Präzision materialgerecht verarbeitet, strömungstechnisch optimiert, computerdesigned und geplottet, sowie mit größter handwerklicher Sorgfalt und Erfahrung hergestellt wird.

Nach einer abschließenden, eingehenden Qualitätskontrolle geht das Segel dann in den Versand.

Basic-Line

Robuste und funktionelle Cruising – Segel mit langer Lebensdauer, sowie sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis.

Classic-Line

Formstabile, langlebige und schnelle Cruising/Racing – Segel mit hervorragender Performance in bewährter Markenqualität, zum fairen Preis.

Delta-Line

Kompromisslose, Vortriebsstarke High-Tech-Segel der Premiumklasse mit perfekter Verarbeitung für höchste Ansprüche an Trimmbarkeit, Stand und Verarbeitung, zu wettbewerbsfähigen Preisen.

Großsegel - Weitere Segeltypen

Das Lattengroß-Segel

Bessere Aerodynamik und längere Haltbarkeit in Verbindung mit komfortablerer und sicherer Handhabung haben dafür gesorgt, dass sich das Lattengroßsegel immer stärker durchsetzt und eine Renaissance erlebt.

Vorteile gegenüber einem konventionellen Großsegel

  • Vortriebsstärke: Vor allem bei Leicht- und Mittelwetter hat ein durchgelattetes Großsegel den Vorteil, dass die gesamte Fläche von Latten gestützt wird, so dass sich das vorgegebene Profil nicht unkontrolliert verändern kann.
  • Große Fläche: In der Regel kann die Achterliekrundung weiter ausgestellt werden als beim konventionellen Großsegel, da sie im Prinzip nur durch das Achterstag begrenzt wird.
  • Beste Segeleigenschaften: Da das durch die Latten unterstützte Profil auch bei zunehmendem Winddruck nicht tiefer wird, bleibt das Achterliek immer offen, so dass eine optimale Anströmung gewährleistet ist. Dies hat zur Folge, dass das Schiff in einer Bö weniger luvgierig reagiert, aufrechter segelt und dadurch später gerefft werden kann.
  • Optimale Trimmbarkeit: Selbst bei relativ unflexiblen Masten, kann durch veränderte Lattenspannung im Segel das Profil den Windverhältnissen optimal angepasst werden. Für mehr Profiltiefe wird der Lattendruck verstärkt, während die Lattenspannung reduziert wird, wenn das Segelprofil abgeflacht werden soll.
  • Lange Lebensdauer: Dadurch, dass ein Lattensegel beim Setzen und Bergen sowie in der Wende wesentlich weniger schlägt, erhöht sich die Lebensdauer sowohl des Profils als auch vom Material ganz erheblich.
  • Bessere Handhabung: Besonders in Verbindung mit Lazy-Jacks lässt sich ein Lattengroßsegel leicht bergen und auftuchen, da die durchgehenden Segellatten das Achterliek nach hinten strecken. Das Segel fällt fast von alleine zwischen die Fangleinen und kann nicht mehr unkontrolliert an Deck rutschen.

Nachteile gegenüber einem konventionellen Großsegel

  • Nicht angeschlagenes Segel ist unhandig: Der Transport von und an Bord gestaltet sich durch die ständig eingelegten Segellatten etwas schwieriger als bei einem konventionellen Großsegel.
  • Mastrutscher neigen unter Druck zum Verklemmen: Die durch das Segel laufenden Segellatten enden direkt in einer Segellattenaufnahme und drücken dadurch gegen den Mast, so dass konventionelle Mastrutscher nur noch schwer in der Mastnut laufen. Normale Mastrutscher sind für diesen Kompressionsdruck nicht konstruiert und müssen bei größeren Lattengroßsegeln gegen Druckaufnahme-Rutscher oder kugelgelagerte Systeme ersetzt werden. Wir beraten Sie gern über Vor- und Nachteile der verschiedenen Rutscher-systeme.
  • Aufmerksames Segeln ist erforderlich: Die durchgehenden Segellatten drücken ein vorgegebenes Profil in das Segel, so dass man sehr bemüht sein sollte, dass das Segel aerodynamisch optimal getrimmt ist. Will man das höhere Geschwindigkeitspotential eines Lattengroßsegels realisieren, so ist es besonders bei wenig Wind erforderlich, nach Windbändseln zu fahren. Denn: Im Gegensatz zu einem konventionellen Großsegel sieht ein Lattengroßsegel auch dann noch gut getrimmt aus, wenn die laminare Strömung am Segel bereits abgerissen ist.
  • Mehrpreis: Ein Großsegel mit durchgehenden Segellatten, vergrößerter Segelfläche sowie Spezialbeschlägen ist etwas teurer als ein konventionelles Großsegel, aufgrund seiner überwiegenden Vorteile gegenüber dem konventionellen Großsegel ist es aber seinen Preis wert.

Ausrüstung eines Lattengroßsegels

Man unterscheidet prinzipiell drei Arten von Rutschertypen:
Lattenrutscher-Systeme, wie z.B. die Druckrutscher der Sailman Lattenrutscher-Systeme
Schienenlose Ballslide-Rutscher-Systeme, wie z.B. das Frederiksen System
Lattentraveller-Systeme mit Schienen, wie z.B. das Harken Lattentraveller-System für Schienen

Lattenrutscher-System

Das Hauptproblem bei größeren durchgelatteten Großsegeln ist die Aufnahme des Drucks von den gespannten Segellatten auf den Mast. In vielen Fällen wird durch diesen Druck die Reibung zwischen Mastnut und Mastrutscher so groß, dass ein Setzen oder Bergen des Großsegels nur noch unter ganz erheblichem Kraftaufwand möglich ist.

Um dies zu vermeiden, wurden Druck-Rutscher in verschiedenen Ausführungen entwickelt, welche für die meisten Mastprofile verfügbar sind. Um die Reibung so gering wie möglich zu halten, sollten die Rollen der Druck-Rutscher auf der Rückfläche der Mastnut oder der Mastschiene laufen.

Beim Einsatz von Lattenrutschern ist zu beachten, dass sie keine Zugbelastungen aufnehmen können. Aus diesem Grund dürfen diese Rutschertypen auch nicht als Kopfbrettrutscher oder im Bereich der Reffpunkte eingesetzt werden, da die Zugbelastung hierfür zu groß wäre.

Schienenlose Ballslide-Rutscher

Beim Ballslide-Rutschersystem handelt es sich um ein patentiertes Lattensystem des Herstellers Frederiksen. Bei diesen kugelgelagerten Mastrutschern kann auf eine Schiene am Mast verzichtet werden, wodurch sich Gewichtsersparnisse im Rigg ergeben. Für die Wagenkörper existieren verschiedene Adapter für unterschiedliche Masttypen.

Das Ballslide-System kann auch an sehr flexiblen Masten benutzt werden, an denen die Montage einer Schiene normalerweise nicht ratsam ist. Bei der Verwendung von abgestimmten Lattenendbeschlägen bleibt das Großsegel genau in der Mitte vom Mast.

Die Ballslides laufen auf zwei Sätzen umlaufender Torlonkugeln, die auch bei Demontage der Rutscher nicht herausfallen können. Der Lattenendbeschlag am Segel und die Ballslides sind durch ein Niro-Kugelgelenk miteinander verbunden, so dass sich die Latten ohne zu verkanten in alle Richtungen frei bewegen können.

Durch die Kugelkonstruktion können die Lattenbeschläge sogar über 90 Grad hinaus nach vorn schwenken. Druck-Aufnahme-Rutscher und Ballslide-Rutscher können auch benutzt werden, wenn das Großsegel nur einzelne durchgehende Latten hat, die das Setzen und Bergen normalerweise erschweren.

In solchen Fällen können diese Spezial-Mastrutscher mit normalen Mastrutschern kombiniert werden. Die Zwischenrutscher bieten sich darüber hinaus besonders für größere Yachten auch ohne Lattengroßsegel an. Sie ersetzen dann die oftmals schwergängigen Kunststoffrutscher.

Lattentravellersystem mit Schienen

Bei Lattentravellersystemen werden die Lattenschlitten, die Liekschlitten und das Kopfbrett auf kugelgelagerte Travellerschlitten montiert, so dass das Segelsetzen und -bergen nahezu reibungslos verläuft.

Lattentravellersysteme wurden ursprünglich für die französischen Mega-Rennkatamarane entwickelt. Richtig konstruierte Systeme mit Kugellagern führen zu geringstmöglicher Reibung und größtmöglicher Zuverlässigkeit. Lattentravellersysteme erfordern die Montage von Schienen am Mast: Die Schienen können an den meisten innenliegenden Mastnuten mit sogenannten “Nutsteinen” befestigt werden, ohne dass Bohrlöcher notwendig sind.

Bei Masten ohne innenliegende Mastnut können die Schienen mit Schrauben am Mast montiert werden.

Das Rollgroßsegel

Auf Charteryachten, sowie auf Yachten deren Eigner in erster Linie Wert auf Komfort und Bequemlichkeit legen, hat sich das Rollgroßsegel zunehmend etabliert. Ähnlich wie bei den Vorsegelreffanlagen ist die Bedienung einfacher und unkomplizierter als bei konventionellen Großsegeln.

Was allerdings die Segelleistung betrifft, müssen in der Regel Abstriche hingenommen werden. Diese Einschränkung fällt beim Reffbaum systembedingt geringer aus als beim Reffmast. Auf dem Markt konkurrieren beide Systeme von unterschiedlichen Herstellern miteinander, deren Eigenschaften nachfolgend gegenübergestellt werden.

Horizontales Reffsystem/Rollreffbaum

Vorteile:

  • Größere Segelfläche durch Verwendung von durchgehenden Segellatten – so kann das Achterliek ausgestellt werden
  • Toppgewicht erhöht sich nur unwesentlich
  • Das Bergen des Segels ist auch bei Systemausfall des Baumes noch möglich.
  • Bei einer Vorlieksführung mit Plastik-Distanzschiene ist der Mast noch – eingeschränkt – trimmbar

Nachteile:

  • Das Segel sollte zum Setzen, Reffen und Bergen im Wind stehen
  • Das Setzen, Reffen und Bergen des Segels funktioniert nur, wenn sich der Baum in einem genau definierten Winkel zum Mast befindet
  • Durch den Anpreßdruck der durchgehenden Latten ergibt sich ein hoher Reibungswiderstand beim Setzen, Reffen und Bergen des Segels
  • Das Horizontalreff funktioniert bei einem flexiblen Rigg, oder bei mehr als 12 Meter Vorlieklänge nur mit Einschränkungen, da die Mastbiegung durch den Distanzhalter hinter dem Mast begrenzt wird. Außerdem besteht die Erfordernis, die Lagen des aufzurollenden Segelvorlieks gleichmäßig im Baum hintereinander anzuordnen.
Vertikales Rolleffsystem/Rollreffmast

Vorteile:

  • Hoher Bedienungskomfort beim Setzen und Bergen durch kurzen Ausholweg der Unterliekslänge
  • Leichtgängig auch bei großen Flächen
  • Das Segel muss zum Setzen und Bergen nicht genau im Wind stehen
  • Die Profiltiefe lässt sich auch im gerefften Zustand noch – eingeschränkt – verändern

Nachteile:

  • Erhöhtes Toppgewicht führt zu Stabilitätsverlust und damit zu schlechterem Seegangsverhalten der Yacht
  • Kleinere Segelfläche, da Achterliek nur von kurzen, senkrechten Latten gestützt werden kann
  • Segel müssen flacher geschnitten werden, was ein weniger kraftvolles Profil bedeutet
  • Masttrimm so gut wie nicht möglich, da die Welle im Mast nicht gebogen werden darf

Extras

Das Lazy-Jack-System

Lazy-Jacks kontrollieren das Großsegel während des Reffvorgangs oder beim Bergen. Das Segel fällt zwischen den Fangleinen des Lazy-Jacks und wird auf dem Baum gehalten bis es festgelascht ist.

Lazy-Jacks funktionieren besonders gut bei durchgelatteten Segeln, können jedoch auch bei konventionellen Großsegeln verwendet werden. Das Lazy-Jack-System kann dabei außerdem die Dirk ersetzen.

Das Großsegel-Bergesystem

Das Großsegel-Bergesystem ist eine am Großbaum befestigte Baumpersenning mit abnehmbarem Mastkragen und integrierten Lazy-Jack-System. Mit Hilfe der Fangleinen des Lazy-Jacks fällt das heruntergelassene Großsegel in die Persenning, die sodann mittels Reißverschluß verschlossen werden kann

Das Großsegel-Bergesystem

Der separate Kragenteil wird anschließend um Mast- und Großbaum gelegt und zugeknüpft. Auf diese Weise ergibt sich eine geschlossene Einheit, die das Großsegel sicher aufbewahrt und vor Umweltbelastungen schätzt.

Inhalt

Moritz Sailmakers | Moritzsail.com

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